Ein Jahr im Bienenvolk: Eine Reise durch die Jahreszeiten

Bienen orientieren sich bei der Jahresplanung weniger an den Kalendermonaten, sondern machen ihre Tätigkeiten vom Futterangebot und der Temperatur abhängig.

Frühling (März bis Mai)

Wenn die Temperaturen nach dem Winter wieder auf über ca. 12 Grad steigen, kehrt wieder Leben in den Bienenstock ein. Nach der monatelangen Winterruhe müssen die Bienen zunächst dringend aufs Klo. Dazu dient der sogenannte "Reinigungsflug", bei dem sie ihre Kotblase entleeren.

Danach beginnt für die fleißigen Bienen bereits die Arbeit: bei den ersten Blüten werden Pollen und Nektar eingesammelt. Das Volk muss schließlich gestärkt und ausgebaut werden.

Je mehr die Blumen und Bäume zu blühen beginnen, desto intensiver suchen die Bienen nach Futterquellen.

Damit das Bienenvolk wieder größer wird, kurbelt die Königin ihre Legeleistung rasant an. Sie legt bis zu 1.500 Eier pro Tag.

Sommer (Juni bis Anfang September)

Im Frühsommer hat das Volk seine maximale Größe erreicht, die Bienen wollen nun ihren Staat durch Teilung vermehren.

Tausende Bienen schwärmen gemeinsam mit ihrer alten Königin aus, verlassen den Bienenstock und suchen sich ein neues Zuhause. Für Imker ist das eine gute Gelegenheit, diesen Bienenschwarm einzufangen, ihnen ein neues Heim zu geben und so ihr Überleben zu sichern.

Eine neu geschlüpfte Königin hat in der Zwischenzeit bereits wieder das Kommando über den alten Bienenstock übernommen und wird kurze Zeit darauf begattet.

Für die Begattung der Königin sind die männlichen Drohnen notwendig. Drohnen entstehen gezielt, indem Eier nicht befruchtet werden. Sie sind größer als die Arbeiterbienen, haben aber keinen Stachel und haben nur eine einzige Aufgabe.

Beim sogenannten "Hochzeitsflug" wird die Königin von mehreren Drohnen in der Luft begattet, kurz nachdem sie geschlüpft ist. Die Spermien der Drohnen bewahrt die Königin in einer Samenblase auf und verwendet sie für den Rest ihres Lebens.

In den Sommermonaten arbeitet das Bienenvolk auf Hochtouren, das reichhaltige Blütenangebot bedeutet schließlich ein riesiges Futterangebot. Die Bienen denken langsam wieder an den Winter und beginnen, Nahrungsvorräte im Bienenstock anzusammeln. Zeit für die Stockbienen, den Nektar der Sammelbienen zu Honig zu verarbeiten und in den Waben einzulagern. Damit sichern Bienen ihre Futterversorgung für die kalte Jahreszeit, in der keine Blumen mehr blühen.

Im Bienenstock wird es allmählich auch wieder eng. Die Königin hat sich eine wohlverdiente Pause verdient, ihre Legearbeit wird langsam abgeschlossen.

Übrig gebliebene Drohnen haben im Bienenstock keinen Platz mehr, ihre Aufgabe wurde mit dem Hochzeitsflug bereits abgeschlossen. Sie beteiligen sich an keinen Arbeiten im Stock und würden jetzt den Bienen nur noch Futter wegnehmen. Bei der sog. "Drohnenschlacht" werden Drohnen nach Flugausflügen nicht mehr in den Stock zurückgelassen oder sogar von Arbeiterinnen aus dem Bienenstock hinausgezerrt, wo sie schließlich verhungern oder von Vögeln gefressen werden.

Herbst (September bis Anfang November)

Wenn die Temperaturen langsam wieder sinken, wird es ruhiger im Bienenstock. Die letzten Vorbereitungen für den Winter beginnen. Die letzten Blüten werden angeflogen und der Bienenstock wird winterfest gemacht.

Eine ganz wichtige Aufgabe nehmen dabei die sog. "Winterbienen" ein, die spätestens Anfang September schlüpfen. Sie werden von ihren Kolleginnen von Geburt an intensiv gepflegt, damit möglichst viele von ihnen überleben können.

Winterbienen übernehmen als Arbeiterinnen im Winter wichtige Aufgaben bei der Erzeugung von Wärme im Bienenstock. Sie sorgen also dafür, dass das Bienenvolk gut durch die kalte Jahreszeit kommt. Für die Nahrungsaufnahme müssen sie keine Ausflüge zu Blüten machen und können sich an den großzügig angelegten Vorräten im Bienenstock bedienen.

Im Vergleich zu dem Trubel der Sommermonate haben sie also ein entspannteres Leben als die Sommerbienen und leben daher mit 6-7 Monaten weitaus länger als ihre sommerlichen Kolleginnen.

Winter (November bis März)

Im Winter machen es sich die Bienen gemütlich, halten aber keinen Winterschlaf.

Sie bilden stattdessen im Teamwork die sog. "Wintertraube", kuscheln sich zusammen und erwärmen sich gegenseitig, indem sie mit der Flugmuskulatur zittern. Der Kern der Traube wird dadurch konstant auf einer Temperatur von 35 Grad gehalten.

Für die Königin ist der wärmste Platz in der Mitte reserviert. Wenn die Arbeiterbienen im äußeren Bereich der Wintertraube abkühlen, tauschen sie mit ihren Kolleginnen die Plätze und dürfen sich in der wärmeren Mitte erholen.

Bienen ernähren sich in dieser Zeit vom eingelagerten Honig, da sie den Bienenstock den ganzen Winter über nicht verlassen.

Für den Imker bietet die brutfreie Zeit im Winter die Möglichkeit, die Bienen vor der Varroamilbe zu schützen und zu behandeln.

Im März gibt es dann weitere kurze Kontrollen, ob ihre Futterreserven noch ausreichen, bis die Bienen sich im Frühling über die ersten Blüten wieder selbst versorgen können.

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